Hallo zusammen,

Vor kurzem lief mir ein Buch von Jiddu Krishnamurti über den Weg. Sein Titel lautete: du bist die Welt. In diesem Buch zeigt er ein zentrales Problem auf, dass uns an das Leiden und das „Nicht-Im-Jetzt-Sein“ bindet. Und da seine Art auf dieses Problem zu schauen neu für mich war, will ich sie mit euch teilen.

Das zentrale Problem, das Krishnamurti in unserer Gesellschaft sieht ist, dass wir nicht präsent sind oder nicht im Jetzt leben. Das ist natürlich nicht, was neu an seinem Ansatz ist, aber sein Grund warum wir das nicht schaffen war für mich neu. Wir tun das, weil wir darauf konditioniert sind eine Unterscheidung zwischen dem Beobachter und der Beobachtung zu treffen. Und hier ist es wichtig genau hinzusehen was er meint, denn der Unterschied ist nicht zwischen dem Beobachter und dem Objekt der Beobachtung. Die Unterscheidung die wir vornehmen geschieht in uns selbst, zwischen mir und meiner Erfahrung.

Nehmen wir als Beispiel mich und eine Orange. Was geschieht also wenn ich normalerweise eine Orange ansehe? Ich habe direkt eine Erinnerung daran wie die letzte Orange, die ich aß schmeckte, wie Orangen generell schmecken, wie sie riechen, wie sie aussehen, wenn sie genau richtig sind oder noch etwas Zeit brauchen. Und plötzlich wird mir gewahr, dass meine ganze Beziehung zu Orangen in meinem Hinterkopf auftaucht während ich mir diese Orange ansehe. Das ist natürlich mehr oder weniger normal, doch was diese Erinnerungen mit mir machen ist: sie erzeugen Erwartungen. Und diese Erwartungen darüber wie die Orangenerfahrung sein wird schwebt nun sanft über meiner Orangenbetrachtung. Ich schaue sie mir genau an und vergleiche: Hmm, diese ist leicht schwerer als wie ich sie erwartet hätte, ich bemerke einige weiche Stellen an der Schale und erinnere mich daran, dass diese auf Beschädigungen hindeuten. So bewerte ich die Orange in meiner Hand und wenn ich es für nötig befinde, werde ich eine andere nehmen die meinen Anforderungen entspricht. Wenn ich die Orange kaufe und auch wenn ich sie esse, erwarte ich einen bestimmten Geschmack von ihr und nachdem ich sie gegessen oder auch nur probiert habe, werde ich bestimmen ob sie gut geschmeckt hat.

Die Orange ist natürlich nur ein Beispiel, die weitaus interessantere Folge dieser Art zu Denken ist in Bezug auf die Erwartungen, die wir über andere Menschen erzeugen. Wenn wir mit den Menschen in unserer Umgebung „schlechte“ Erfahrungen anhäufen, begegnen wir ihnen vielleicht bereits mit Misstrauen oder ängstlich oder defensiv. Und anstatt einfach die Gefühle anzunehmen, gibt es da eine Tendenz das Gefühl der Angst selbst vermeiden zu wollen und aus Angst vor der eigentlichen Angst die Person, die dieses Gefühl in uns hervorruft direkt zu umgehen.

Und was hier geschieht ist ein noch weitaus tieferer Einschnitt: Wir trennen nun nicht mehr zwischen dem was wir sind und der Beobachtung sondern sogar zwischen dem was wir sind und unseren eigenen Gefühlen. Wir trennen Sie von uns und teilen Sie als vermeidenswert oder erlebenswert ein. Anstatt sie dafür zu nehmen was sie sind: Aufrufe zum Ausdruck im Jetzt, Aufrufe zu handeln aus unserem Inneren.

Es gibt einen Haufen von zeitrelativen Gefühlen auf die Krishnamurti insbesondere eingeht, also solche, die sich auf die Zukunft oder auf die Vergangenheit beziehen. Wie zum Beispiel: Sorge, Neugier, Hoffnung, Vorfreude, Groll, Rache und so weiter. Krishnamurti würde diese Gefühle als Verfälscher der Wahrnehmung bezeichnen. Weil sie die Trennung zwischen mir und dem was hier und jetzt passiert, forcieren.

Im Hier und Jetzt zu leben bedeutet nach Krishnamurti sich selbst und seinen Erfahrungen in kompletter Unschuld zu begegnen und uns davon wegzubringen uns mit vergangenen Erinnerungen und Erwartungen von der Gegenwart abzutrennen.

Das Werkzeug dieser Trennung ist das Denken und um also aus diesem Trennungsspiel herauszukommen, muss man lediglich mit Denken aufhören. Das ist natürlich leichter gesagt als getan. Aber Krishnamurti sagt, wenn man einfach nur über eine Zeit hinweg den Geist dabei beobachtet was das Denken für Resultate zeitigt, wird einem Auffallen, dass das Denken eher Mist und Unordnung erzeugt. Wenn man also seine Gedanken durch Meditation beobachtet und Ihnen nicht die Macht gibt unsere Erfahrungen vorzubestimmen, können wir im Hier und Jetzt leben. Er rät uns dazu uns über Meditation dessen gewahr zu werden, wie das Denken uns dabei sabotiert im Jetzt zu leben und uns dann aus unserer eigenen Erfahrung heraus besser wissend dagegen zu entscheiden.

Denn nur, wenn wir das Denken zum Schweigen bringen und so die Trennung zwischen unseren Erfahrungen und uns, bzw. uns und der Welt aufheben sind wir in der Lage dazu wahre Liebe zu erfahren und wirkliche Beziehungen können wachsen und erblühen weil wir unseren unsere Wahrnehmung unseres Gegenüber als Teil von uns akzeptieren und so lieben können.

Es ist nach wie vor wichtig zu vorauszuplanen und sich Dinge vorzustellen, aber nicht sie mit Gefühlsprojektionen zu verwässern. Damit erlauben wir unseren Erfahrungen das sein zu dürfen was sie sind und nicht nur der Teilaspekt von ihnen, den wir ihnen zugestehen.


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